Freundschaft ist eine lebendige Beziehung zwischen zwei Personen. Sie kann nur dann wachsen und gedeihen, wenn man sich Zeit für einander nimmt. Das Gebet ist eine Möglichkeit, unsere Freundschaft mit Gott zu leben und zu vertiefen, indem wir uns ihm zuwenden, auf ihn hören, ihm mitteilen, was uns bedrückt oder Freude macht oder einfach nur da sind, um ihn anzuschauen.
Im „Buch des Lebens“ sagt uns Teresa, was sie unter Innerem Beten versteht: „Meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt“ (Leben, 8,5).
Gott ist in unserem Inneren verborgen gegenwärtig. "Spät hab' ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und so neu, spät dich geliebt! Und siehe, drinnen warst du und ich draußen, suchte dich da und warf mich auf all das Schöne, das du gemacht, und war doch selbst so hässlich. Du warst bei mir, aber ich war nicht bei dir." (Bekenntnisse 10,27).
Der Weg des Inneren Gebets ist für Teresa ein Weg der zunehmenden Verinnerlichung des Menschen. Sie vergleicht die Seele mit einer gläsernen Burg und unterscheidet darin sieben konzentrische Kreise mit vielen Wohnungen. Mit diesem Bild will sie die verschiedenen Etappen des geistlichen Lebens veranschaulichen. Im Zentrum der Burg wohnt Gott als Licht und Lebensquell der Seele. Ziel des geistlichen Lebens ist es, sich auf diese innerliche Mitte hinzubewegen und aus ihr heraus das Leben zu gestalten.
Das Innere Gebet ist ein persönlicher Austausch zwischen Gott und dem betenden Menschen, ein „Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt“
Im Vordergrund steht nicht das Erlernen von Methoden, sondern der persönliche Kontakt mit Gott.
Persönlich bedeutet nicht, nur privat oder isoliert zu beten. Durch die Taufe gehören wir zur Kirche, die für Paulus der mystische Leib Christi ist. Gemeinschaft mit Christus im Inneren Gebet heißt auch Gemeinschaft mit allen Gliedern des Leibes Christi und letztlich mit allen Menschen.
Einige praktische Hinweise zur Gestaltung des inneren Betens
· Es geht zuerst einmal darum, Zeit und einen geeigneten Ort zu finden, um in Stille beten zu können; wir sollten nach Möglichkeit eine Zeit wählen, wo wir möglichst ungestört, ausgeruht und ruhig sind. Denn zum Beten gehört immer der ganze Mensch mit Geist und Leib; auch die Wahl des Ortes ist von Bedeutung (z.B. eine Kirche oder ein ruhiger, ansprechender Raum; die Gegenwart Christi in der Eucharistie ist eine große Hilfe)
· Zwischen der letzten Beschäftigung und dem Gebet sollte man eine kurze Pause einschalten, um abzuschalten und sich vorzubereiten; eine kurze geistlich Lektüre kann hierbei hilfreich sein (Heilige Schrift, geistliche Lektüre etc.)
Nachdem man von den äußeren Dingen Abstand gewonnen hat, sollte man versuchen, sich zu sammeln:
· Hierbei kann ein Zeichen oder eine Geste helfen: Kniebeuge, Kreuzzeichen; dabei sollten wir uns bewusst machen, dass wir dadurch bereits mit Gott verbunden sind
· Anschließend können wir:
- den Heiligen Geist auf uns herabrufen
- die Gottesmutter oder einen Heiligen um Hilfe bitten
- unser Gewissen erforschen (z.B. Schuldbekenntnis)
Während des Betens sollten wir trotz aller Schwierigkeiten und Ablenkungen immer wieder versuchen, zu Gott zurückzukehren, allerdings mit Augenmass. Übertriebene Willensanstrengungen helfen hier wenig und erreichen oft das Gegenteil. Auch wenn die Oberfläche unseres Geistes in Aufruhr ist, kann der Grund unser Seele ruhig sein und zum Ort der Gottesbegegnung werden.
Damit die Freundschaft mit Gott wachsen kann, ist es wichtig, sich ihm auch außerhalb der festen Gebetszeiten zuzuwenden. Es ist fast immer und überall möglich, kurz an Gott zu denken, mit ihm zu sprechen, ihn einfach nur „anzuschauen“. Dafür braucht es keine lange Vorbereitung. Wir gewöhnen uns so mehr und mehr daran, in der Gegenwart Gottes zu leben, mitten in unserem alltäglichen Leben mit seinen vielfältigen Anforderungen und Beschäftigungen. Dies kann zu einem wahren Segen werden für uns und unsere Mitmenschen, denn „Gottes Liebe und der Christen Gebet erhalten die Welt.“
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- Dez. 10 (1)